Über mich
im Jahre 1958 wurde ich als Sohn eines Textilunternehmers in
Oberfranken geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Marktschorgast kam ich in ein Internat wo ich das Gymnasium bis 1977 besuchte. Danach machte ich mein Abitur an der Fachoberschule und studierte bis 1985 Fahrzeugtechnik an der
Fachhochschule in München.
Seitdem bin ich als Kfz Sachverständiger tätig, und wohne seit über zehn Jahren in Erlangen .
unsere Fabrik
Unser Textilunternehmen, eine Baum- und Zellwollspinnerei wurde 1971 verkauft um
einen drohenden Konkurs zu vermeiden. Sie wurde im Jahr 1926
durch meinen Großvater Rudolf Hohf (sen.), der damals schon über 60 war und seinen Kompagnon Fritz Zimmermann in Marktschorgast bei Bayreuth gegründet.
Die ersten großen Schwierigkeiten gab es nach dem schwarzen
Freitag im Jahre 1929. Dank der Firma Tweedales & Smalley aus Castleton, Lancashire, England , die unsere Fabrik mit Maschinen ausgestattet,und der Firma großzügige Kredite gewährt hatte, konnte sie überleben.
Ein Luftbild unserer Firma aus den 60er Jahren
Nachdem die Nationalsozialisten im Jahre 1933 die Macht übernommen hatten, gab es natürlich erhebliche Schwierigkeiten die Kredite zurückzuzahlen. Devisenbeschränkungen waren die Ursache dafür.
Im allgemeinen Aufschwung der damaligen Zeit kam auch die Firma wieder auf die Beine.
Sehr früh beschäftigte sich mein Großvater schon mit dem Verspinnen von Kunstfasern.
Von der IG Farben mit ihren bekannten Produktionsstätten in Premnitz und Wolfen sowie von der Süddeutschen Zellwolle AG in Kelheim bezog die Firma das Rohmaterial und gehörte der Vereinigung VISTRA (Verband der Kunstfaser
-verarbeitenden Industrie) an.
1937 übernahm mein Vater die Führung der Firma, die damals über 300 Mitarbeiter beschäftigte.
Textilien, und damit auch Garne wurden, bedingt durch die Aufrüstung der
Wehrmacht, in hohem Maße benötigt .
Am 1.September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus und im Verlauf des Krieges setzte erneut eine staatlicheWarenbewirtschaftung ein. Auch Textilerzeunisse
fielen darunter. An Allem mußte gespart werden und “Recycling” war oberstes Gebot.
1942 wurde mein Vater zur Wehrmacht eingezogen und kam erst Ende 1946 aus amerikanischer Kriegsgefangenenschaft wieder zurück. Während dieser Zeit
übernahm sein Schwager, Alfred Lotze,und der Sohn des Kompagnons, Herbert Zimmermann die Leitung der Firma.
1943 verfügt das Rüstungskommando der Wehrmacht in Coburg die Teil-
Konfiskatoion des Betriebes um für die AEG aus Nürnberg eine vor Bombenangriffen relativ sichere Fertigungsstätte zu bekommen. Genannt wurde diese "WerkII". 
Die Textilmaschinen wurden aus einem Teil der Fabrik
entfernt um die Maschinen der AEG zu installieren.
Zwischen den beiden Betriebsteile wurde eine große Bretterwand zum Sichtschutz aufgebaut. Dies alles geschah unter großer Geheimhaltung und bis heute
weiß ich nicht genau, was im einzelnen hergestellt wurde. Es muß sich wohl um Zünder und kleine elektromechanischer Teile gehandelt haben.
Während dieser Zeit waren auch einige Zwangsarbeiter vor allen Dingen im Teil
der AEG beschäftigt.
Nach dem Ende des Krieges im Mai 1945 lag der Betrieb erst einmal eine zeitlang still.
Schon im Juni 1945 wurde dann die Produktion unter den entsprechenden Verhältnissen wieder aufgenommen.
Ein großer Teil unseres Absatzmarktes brach durch die Teilung Deutschlands weg. Desgleichen hatten wir Schwierigkeiten Rohstoffe zu beziehen, da die Firmen in Wolfen und Premnitz ebenfalls in der sowjetischen besetzten Zone
lagen. Baumwolle mußte aus außereuropäischen Ländern eingeführt werden, was verständlicherweise zu dieser Zeit auch auf erhebliche Schwierigkeiten stieß.
Trotz allem erreichte im Jahr 1947 die Firma als eine der ersten des Landes eine Produktionsauslastung von 100%.
Mein Großvater, der Firmengründer, starb im selben Jahr.
Ende 1946 kam mein Vater aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück und übernahm wieder die Leitung der Fabrik.
Die Währungsreform im Jahr 1948 brachte dann eine gewisse Erleichterung der Geschäfte.
Das Wirtschaftswunder begann sich langsam zu entwicheln und
der " Freßwelle" folgte eine "Textilwelle", die auch bei Hohf und Zimmermann wieder für volle Auftragsbücher sorgte.
zum 25. Firmenjubiläum im Jahre 1951 beschäftigte die Firma bereits wieder 320 Mitarbeiter, und man konnte sich damals schon einen mehrtägigen Betriebsausflug mit allen Beschäftigten ins Voralpenland leisten.
1953 war die Mitarbeiterzahl auf 390 angestiegen.
“siehe auch : Betriebsausflug zum Bodensee”
Im selben Jahr bekam Marktschorgast auch einen eigenen Autobahnanschluss
dessen Finanzierung zum Teil durch Hohf & Zimmermann bewerkstelligt wurde
. (im Zeitungsartikel ist ein kleiner Fehler aufgetreten, die Firma finanzierte etwa 1/4 des Betrages)
1955 wurden neue Tufting-Maschinen angeschafft.
Tufting oder Tufting-Technik bezeichnet ein Verfahren zur Teppichherstellung (bei Hohf & Zimmermann vorwiegend Badematten), bei dem die Fäden durch Einnadeln in ein Trägergewebe befestigt werden.
Diese Investition rentierte sich leider nicht, da der Markt für Heimtextilien erst gute 10 Jahre später richtig aufblühte und kurz darauf wurden diese Maschinen wieder verkauft.
Mitte der sechziger Jahre gab es dann die ersten ernsthaften geschäftlichen Schwierigkeiten, bedingt durch eine allgemeine Rezession.
Mitbewerber, vor allem aus Asien, konnten die Preise so weit drücken, daß
unsere Firma nicht mehr konkurrenzfähig war.
1971 kam dann das endgültige Aus.
Mein Vater, mittlerweile 63 Jahre alt, verkaufte die Firma an die "Kulmbacher Spinnerei", einem der größten Textilbetriebe Oberfrankens.
Für drei Jahre wurde der Betrieb aufrechterhalten, danach war das Textilzeitalter für unseren Betrieb beendet.
Ende der siebziger Jahre wurde der Betrieb praktisch entkernt, die
Textilmaschinen verkauft oder verschrottet und es entstand nun (1978) eine Fabrik für landwirtschaftliche Pumptankwagen, der auch heute noch besteht.
(DeLaval BSA GmbH)
