Stahl-und Walzwerk Brandenburg

kürzlich hatten meine Frau und ich die Gelegenheit das ehemalige Stahl und Walzwerk Brandenburg zu besuchen. Das war so interessant, daß ich mich entschloß einen kleinen Bericht hierüber in meine Homepage aufzunehmen.

Von Berlin aus fuhren wir in westlicher Richtung mitten in die Mark Brandenburg. In der Stadt desselben Namens suchten wir das inzwischen errichtete Industriemuseum im ehemaligen Stahlwerk.

Eine sehr freundliche Dame empfing uns am Eingang und  bat uns zunächst die im Eingangsbereich aufgebaute Ausstellung über die Geschichte des Werkes zu betrachten.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Werkes begrüßte uns anschließend um uns dann durch die große Halle zu führen.

In der riesigen Halle befindet sich der letzte noch existierende Siemens-Martin Ofen in ganz Westeuropa. Sehr beeindruckend waren auch die großen Kräne und Schienenanlagen im Inneren.

Unser Führer ließ uns an seinem wirklich umfangreichen Wissen der Stahlproduktion mittels des Siemens-Martin Verfahrens teilhaben und gestaltete die Führung hochinteressant.

Rudolf Weber gründete das Stahlwerk im Jahr 1913 in Brandenburg.
Diesen Standort wählte er wegen seiner örtlichen Nähe zu der wachsenden Großstadt Berlin. Die dort immer stärker werdende Industrie hatte einen großen Anfall von Schrott zur Folge. Bisher mußte dieser weite Strecken, zum Beispiel bis ins Ruhrgebiet, transportiert werden.
Beim Siemens-Martin Verfahren können neben Roheisen große Mengen Schrott verarbeitet werden und dem Wirtschaftskreislauf nach der Weiterverarbeitung im Walzwerk als Draht oder Stahlblech wieder zugeführt werden.

Zusammen mit seinem Vater hatte Weber bereits 1878 in Dortmund ein Walzwerk gegründet. Weitere Werke wurden dann auch noch im Saarland eröffnet. Aufgrund dessen verfügte er natürlich über genügend Berufserfahrung.

Innerhalb eines Jahres wurde das Werk aufgebaut. Bereits am 15. Mai des Jahres 1914 war der erste Abstich im neuen Werk, am 25. Mai wurde das Walzwerk in Betrieb genommen.
Weber war es gelungen, Fachkräfte samt deren Familien aus den Werken im Saarland nach Brandenburg zu holen.
Im Jahr 1914 brach bekanntermaßen auch der erste Weltkrieg aus. Durch die Waffenproduktion wurde natürlich eine Menge Stahl benötigt und das neue Werk florierte. Im Verlauf des Krieges verschlechterte sich die Lage Deutschlands zusehens. Am Ende gab es große Schwierigkeiten Kohle nach Brandenburg zu schaffen, weshalb Weber im Jahr 1917 das Werk an die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten Aktiengesellschaft verkaufen mußte.

Anfang der 20er Jahre waren 1350 Menschen im Werk beschäftigt. Der technische Direktor Dr. Rudolf Hennecke führte im Jahr 1924 zur weiteren Einsparung von teuerem manganhaltigen Roheisen das sogenannte
“ Schrott-Kohle Verfahren “ ein. Die technologische Grundlage hierzu hatte er in seiner Promotionsschrift erarbeitet.

1926 wurde das Werk vom damals größten Stahlunternehmer Friedrich Flick übernommen und in den Verbund “ Mitteldeutsche Stahlwerke AG” eingegliedert.

Für das Unternehmen ergab sich daraus eine enorme Erweiterung des Produktionspotentials.

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