Hier eine kleine Beschreibung unserer ersten Tour durchs Ruhrgebiet.
Freitag Vormittag! Das Bergische Land zeigte sich von seiner besten Seite mit heiterem Wetter und 22°C -geradezu ideales Biker Wetter !
Gut ausgebaute und wunderbar kurvige Straßen gab es hier! Ich befand mich
auf dem Weg nach Duisburg, wo ich die übrigen Teilnehmer unserer Tour gegen Mittag treffen werde. Dort angekommen fand ich auch recht schnell unser Hotel.
Es war noch keiner da.
Kaum war ich vom Motorrad abgestiegen, da bekam ich erst mal einen großen Schrecken! Unter meinem Hinterrad bildete sich langsam aber sicher ein kleiner Ölsee... Die gesamte rechte Reifenflanke glänzte fettig im
Sonnenlicht!
"Das fängt ja gut an", dachte ich mir.
Der Dichtring zum Inneren des Kardans hatte sich verabschiedet... jetzt wurde mir auch erst mal bewußt, wieviel Glück ich hatte, nicht auf meiner eigenen
"Schleimspur" ausgerutscht zu sein!
Was tun, sprach Zeuss? Zunächst mal brachte ich mein Gepäck aufs Zimmer, anschließend fragte ich in der Rezeption nach einem in der Nähe liegenden Internet Cafe. Gleich gegenüber fand ich eines ! Einen Guzzihändler gab
es -Gott sei Dank- im Nachbarort . Ein kurzer Anruf wegen des Ersatzteils war auch erfolgreich!Als ich wieder hinüber zum Hotel ging, trafen gerade die anderen Biker ein.
Bei einem Bierchen im Garten des Hotels berieten wir nun, was zu tun sei.
Arndt und Gerd fuhren zum Guzzihändler, während Horst, Werner und ich auf einer abenteuerlich konstruierten "Hebebühne" unter den belustigten Blicken der Passanten das Hinterrad
meiner Guzzi ausbauten.
"Just in time" kamen Gerd und Arndt und brachten stolz ihre Beute, den Dichtring. Schnell und ohne Probleme hatte Arndt, seines Zeichens Kfz-Meister, selbigen eingebaut.
Das Rad noch daran, die Schrauben fest gezogen, ... jetzt konnte es endlich losgehen!
Der Gasometer in Oberhausen war unser erstes Ziel.
Im gleißenden Sonnenlicht des Nachmittags sah der Stahlgigant schon sehr beeindruckend aus, wenn man fast direkt davor steht.
Im Inneren fand gerade eine Videoinstallation von Bill Viola statt. “Five Angels for the Millenium” hieß sie...Ich gebs ja zu, uns Technikern fehlt wohl das entsprechende Gen um sie richtig auf sich einwirken zu lassen. Aber,was solls!
Das Bauwerk ist über 117 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 67,6 Meter und ein nutzbares Volumen von 347.000 Kubikmetern. Es handelt sich um einen Scheibengasbehälter. Der Grundriß des Gasometers ist nicht
kreisförmig, sondern ein Polygon (genauer ein “24-Eck”), in dessen Ecken Doppel-T-Träger senkrecht nach oben ragen. Zwischen diesen Trägern wurden auf ganzer Höhe 5mm dicke Bleche zwischen diese Träger genietet.
Die Scheibe “schwamm” auf dem Gas und wurde duch eine “nasse Dichtung” zur Wand hin abgedichtet. Ein Öl-/Teergemisch lief von oben an den Wänden herunter und schmierte eine
Gummidichtung, die von der Scheibe aus an die Gasometerwand gepresst wurde. (Siehe hierzu auch die schematische Grundrißzeichnung.)
Um einen Gasüberdruck im Inneren von 300 mbar zu erreichen mußte die Scheibe mit einer Masse von 1207 Tonnen auf das im Inneren befindliche Gas drücken..
Bei voll gefülltem Gasometer befand sich die
Scheibe in 95 m Höhe.
Wir begaben uns dann auf das Dach des Gasometers - faul wie wir waren, nahmen wir den Aufzug anstelle der 592 Treppenstufen...
Ein herrlicher Blick bot sich uns über das Ruhrgebiet, wir hatten ja
auch wirklich gutes Wetter!
Anschließend fuhren wir wieder zurück nach Duisburg in unser Hotel, um von dort aus dann in eine urige Kneipe (Schacht 4/8) zum Abendessen zu gehen. Im Angebot gab es ein 10 l Faß Bier, das direkt bei uns am Tisch angezapft wurde. Eine tolle Idee, finde ich! Leider litt ich an diesem Abend unter heftigen Kopfschmerzen, deren Ursache ich nicht erkunden konnte. Die anderen amüsierten sich aber köstlich!
Am nächsten Morgen fuhren wir dann in die Innenstadt von Duisburg um dort ein ausgiebiges Frühstück einzunehmen. Wir ließen uns eineinhalb Stunden Zeit dafür. Wir haben dann beschlossen vor unserer Besichtigung im Hüttenwerk Meiderich, die gegen 14:00 Uhr stattfinden sollte, uns den alten Hafen von Duisburg anzusehen.
Dort lag ein alter Raddampfer, der früher auf dem Rhein als Schleppschiff eingesetzt war. Sehr liebevoll hat man das alte Schiff wieder hergerichtet. Man konnte die Mannschaftsräume, die Küche
und natürlich auch den interessantesten Teil, den Maschinenraum, ansehen.
Eine herrliche alte Dampfmaschine mit irrsinnig viel Mechanik befand sich darin.
Gegen 13:00 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Meiderich. Wir hatten noch ein bißchen Zeit bis unsere Führung losging .
Am “Hauptschalthaus”,einer Kneipe im Landschaftspark Nord, wo sich auch das Hüttenwerk befindet, gönnten wir uns noch ein kleines Bier.
Um 14:00 Uhr bat uns dann Herr Schulden, unser Führer, zum Treffpunkt. Eine rund zweistündige Tour zu allen wesentlichen Teilen des Hüttenwerkes stand uns bevor. 
In der Theorie kannten wir das ja alles schon,
aber es war doch ungeheuer beeindruckend das Ganze noch einmal lebensgroß und in Wirklichkeit zu sehen; der große Gasometer, die mächtigen Gichtgasrohre, die Winderhitzer, Möllerbunker und schließlich als Krönung die
Besteigung des Hochofens Nr. 5!
Ein ungeheures Gewirr von Rohren, Trägern, Aufzügen und Treppen erwartete uns am unteren Teil des Hochofens. Sehr beeindruckend waren auch die Ausführungen von Herrn Schulden über Bauzeit und Betrieb des Ofens. Immerhin wurde er in nur vier Monaten aufgebaut und hatte eine Betriebszeit von 13 Jahren. Erstaunlich lange, wenn man bedenkt, daß während der Betriebszeit im Inneren des Ofens pausenlos Temperaturen von 2000 Grad herrschten und alle fünf Minuten eine Lore voll Möllergut, bestehend aus Koks, Erz, Kalk und Zuschlagstoffen von oben über die Gichtbühne eingefüllt wurde.
Man konnte sich gut vorstellen, wie schwer die Arbeitsbedingungen der dort beschäftigten Männer waren. Eine irrsinnige Hitze, diverse Abgase und Dampf waren ihre ständigen Begleiter.
Herr Schulden erklärte uns auch sehr anschaulich auch den Vorgang des “Abstiches” in der Gießhalle. Hier befanden sich die schwersten Arbeitsplätze des ganzen Hüttenwerkes!
Alle zweieinhalb Stunden wurde das Stichloch mit einer speziellen Bohrmaschine geöffnet und das ca. 1500 Grad heiße Roheisen nebst Schlacke quoll daraus hervor.
Zischend und funkensprühend schoß es aus dem Ofen in die vorbereitete Sandrinne. Die Schlacke mußte nun mit langen Stangen abgezogen werden, damit das Roheisen möglichst wenig verunreinigt auf
den Fuchs zufließen konnte. Der Fuchs -ein Betonkasten am Ende der Rinne- trennt dann schließlich endgültig die Schlacke vom Roheisen. Er hat einen Eingang und zweier unterschiedlich hohe Ausgänge,
aus dem Unteren floß dann das Eisen, aus dem etwas höher gelegenen die Schlacke.
Das Roheisen floß dann in bereitgestellte Eisenbahnwagen, sogenannte Torpedopfannen. Es handelt sich um mit feuerfesten Steinen ausgekleidete Tankwagen, in denen das Eisen flüssig zum Stahlwerk gefahren wird und dort sofort weiterverarbeitet werden kann. Die Schlacke wurde mit entsprechenden Wagen auf Halde gefahren.
Nachdem ungefähr 150t Roheisen den Ofen verlassen haben mußte das Stichloch mit der Stopfmaschine wieder verschlossen werden. Danach mußte die Sandrinne von erkalteter Schlacke und Eisenrersten gereinigt und für den nächsten Abstich vorbereitet werden. Das alles bei sehr hohen Temperaturen! Diese Leute haben sich ihr Geld wirklich hart verdient!
Hier endet nun unsere Führung und ich möchte Herrn Schulden nochmal ausdrücklich dafür danken.
Nach einem kleinen Imbiß im “Hauptschalthaus”- Horst nahm übrigens Grünkohl mit Knackwurst bei 27°C :-) - fuhren wir mit unseren Motorrädern wieder zurück zum Hotel und gönnten uns eine kleine Ruhepause auf den Zimmern.
Gegen 19:00 Uhr fuhren wir dann mit der Straßenbahn noch einmal hinaus zum Hüttenwerk, das bei Einbruch der Dunkelheit in bunten Farben kunstvoll beleuchtet wird. Am Nachmittag hatten wir uns
schon einen Tisch reserviert, was sich auch als sinnvoll erwies!
Das Hüttenwerk wurde dann auch tatsächlich angestrahlt, jedoch mit erheblich weniger Scheinwerfern, als wir erwartet hatten. Sicherlich macht sich auch hier die allgemeine Finanzknappheit bemerkbar. Wir haben uns dann auch überlegt, daß das Auswechseln der Birnen wirklich sehr aufwendig und mit viel Kletterarbeit verbunden ist! Gegen Mitternacht begaben wir uns dann nach Hause.
Am nächsten Morgen fuhren wir schon um 8:00 Uhr weg, nicht bedenkend, daß unsere Frühstückskneipe erst um 9:00 Uhr öffnete.
Was blieb uns übrig.... Hungrig machten wir uns auf dem Weg
nach Henrichenburg zum Schiffshebewerk. Es war Sonntag Vormittag und wir fanden auf dem Weg dorthin keine Möglichkeit zu frühstücken.
Gert, der vorausgefahren war, fand schließlich mit sicherem Instinkt ein kleines Café direkt am neuen Schiffshebewerk. Eine sehr freundliche Bedienung brachte uns dann das lang ersehnte Frühstück! Hungrig und mit großem Genuß aßen wir alles bis zum letzten Krümel auf.
Anschließend begaben wir uns zum Schiffshebewerk. Es ist erstaunlich, nach welch einfachen Prinzip das Ganze funktioniert. 
Der Trog, in dem das Schiff nach oben
transportiert wird, befindet sich im Gleichgewicht mit der Kraft, die die zylindrischen Auftriebskörper unter dem Trog erzeugen. Sie sind in tiefe Rohre unter der Anlage im Boden eingelassen. Fährt nun ein Schiff in den Trog, verdrängt
es gewichtsmäßig genausoviel Wasser, wie es selbst wiegt. Somit ist das Gewicht des Troges immer gleich groß. Mittels langer Spindeln wird dann der Trog vom unteren Flußniveau zum oberen gehoben, nachdem
er hermetisch verschlossen wurde. Der Antrieb der Spindeln kann mit relativ geringer Leistung erfolgen, da sie ja nur Reibungskräfte überwinden müssen, während die Gewichtskraft durch die Auftriebskörper erzeugt wird.
Zufällig konnten wir einen Hebevorgang beobachten, da gerade ein Schiff des Weges kam. Sehr beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit und vor allen Dingen Geschwindigkeit das Ganze vonstatten ging!
Den Kilometer zum alten Schiffshebewerk legten wir mit den Motorrädern zurück.
Eine filigrane Konstruktion aus genieteten Stahlträgern, die den Trog umschloß, erwartete uns.
Es muß eine ungeheure Arbeit gewesen sein mit den damaligen Mitteln so etwas zu bauen. Dazu gab es
noch allerhand gußeiserneVerzierungen, wie sie an einem Bauwerk der vorletzten Jahrhundertwende nicht fehlen durften.
Insgesamt befand sich die Konstruktion in einem tadellosen Zustand, sodaß man sie mit wenig
Aufwand wieder in Betrieb nehmen könnte. Allerdings ist sie mittlerweile nicht mehr an die Wasserwege angeschlossen...
Vor dem Schiffshebewerk lag noch ein alter Kahn, wie er früher oft hinauf und hinab gehoben wurde. Auch diesen konnte man besichtigen. Die Wohn- und Arbeitsbedingungen der Besatzung einschließlich des Kapitäns waren doch sehr bescheiden, gemessen am heutigen Standard.
In einem kleinen Museum neben dem Schiffshebewerk wurde dessen Geschichte und Technik anschaulich erklärt.
Mittlerweile war es schon früher Nachmittag geworden. Unser nächstes Ziel, die Spinnerei Ermen & Engels lag noch über 100km entfernt. Wir mußten uns jetzt etwas beeilen!
Die Tour verlief zunächst quer durchs Ruhrgebiet, was uns eigentlich so vorkam, als führen wir durch eine einzige große Stadt! Interessant war, daß manche alte Häuser, die früher durch den Regen und Staub vollkommen schwarz waren, mittlerweile an der Wetterseite durch den heute sauberen Regen ihre ursprünglich helle Farbe wieder angenommen haben. So ändern sich die Zeiten!
Südlich von Witten erreichten wir dann das Bergische Land. Es ist einfach herrlich dort Motorrad zu fahren! Sehr ländlich hier! Kein Vergleich zum Ruhrgebiet, obwohl es schließlich höchstens 20km entfernt liegt.
In Engelskirchen angekommen fanden wir sogleich die Fabrik. Friedrich Engels, der Sozialistenführer, war übrigens der Sohn des Fabrikgründers.
Im Fabrikgebäude konnten wird zunächst die vollständig erhaltene Kraftverteilungszentrale besichtigen. Die Fabrik erzeugte bereits um die Jahrhundertwende ihren eigenen Strom durch ein Wasserkraftwerk. Es galt damals um die Jahrhundertwende als eines der modernsten im Ruhrgebiet. Die alten Turbinen und Generatoren sind noch fast vollständig erhalten.
In einem anderen Teil der Fabrik zeigte man uns eine Ringspinnmaschine und eine alte Dampfmaschine.
Eine freundliche Mitarbeiterin des Museums ließ sogar beide Maschinen extra wegen uns laufen! Der
Lärm der Ringspinnmaschine war schon immens! Es verwundert nicht, daß die Arbeiter damals häufig Gehörschäden hatten! Die kleine Dampfmaschine hörte sich dagegen recht putzig an! Ein wirklich
schönes Ausstellungsstück, bis ins Detail restauriert und blitzblank geputzt.
Langsam näherte sich der Abend und wir mußten unseren Besuch leider abbrechen. Schließlich mußte Peter noch nach Erlangen und der Rest der Mannschaft nach Bad Salzuflen fahren.
Somit endet hier mein Bericht und ich freue mich schon auf die nächste Tour unter dem Motto " Bergbau und Kohle”.Ich möchte mich nochmal bei allen Teilnehmern bedanken, daß alles unfallfrei und gut geklappt hat - von einigen kleinen Unzulänglichkeiten einmal abgesehen...-
Alsdann bis bald,
Euer Michel

